Hauptinhalt

19.09.2022

Königsberger-Ludwig / Suchan-Mayr: Ärzte im Bezirk Amstetten schmerzlich vermisst

Landarztgarantie der ÖVP gescheitert

 

Im Bezirk Amstetten fehlen Haus- und Fachärzte mit Kassenvertrag. „Dass mehr Ärzte benötigt werden, liegt daran, dass die Bevölkerung immer mehr wächst. Auch die Lebenserwartung steigt und damit der Anteil alter und kranker Menschen. Doch nicht nur für sie fehlen Ärzte, sondern auch für die kleinen und jüngeren PatientInnen“, erklärt SPÖ Bezirksvorsitzende Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, die einen Überblick über die ärztliche Versorgung im Bezirk Amstetten gibt, in dem knapp 117.000 Menschen leben. Jeweils 2.135 kommen auf eine/n AllgemeinmedizinerIn mit Kassenvertrag. Auf FachärztInnen mit Kassenvertrag kommen im Bereich Innere Medizin 25.615 BürgerInnen, in der Kinder- und Jugendheilkunde 2.520 Kinder und Jugendliche, in der Urologie 3.838 Männer über 60 Jahre, in der Gynäkologie 12.796 Frauen und bei Lungenerkrankungen 64.038 PatientInnen.

„Der niedergelassene Gesundheitsbereich wird grundsätzlich zwischen Sozialversicherung und Ärztekammer geregelt. In quartalsweisen Stellenplangesprächen zwischen diesen beiden Institutionen wird die Besetzung der Kassenstellen festgelegt. Da es bei diesem Prozess nach dem Gesetz keine zugedachte Rolle für andere Akteure gibt, liegt es primär an den Krankenversicherungsträgern, attraktive Angebote zu schaffen und gemeinsam mit der Ärztekammer möglichst viele ÄrztInnen in das kassenärztliche System zu bringen“, stellt die SPÖ Bezirksvorsitzende Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig unmissverständlich klar.

Leider können trotzdem immer wieder Stellen nicht besetzt werden, sodass die Politik mit Anreizsystemen oder Ersatzangeboten unterstützt. Zudem gäbe es zwischenzeitlich eine Reihe von Vorschlägen, wie man dem Kassenärztemangel entgegenwirken könnte, merkte Königsberger-Ludwig an die auch darauf verwies, dass die bisher durch die Mehrheitspartei gesetzten Maßnahmen nicht ausreichen.

 

So hat zum Beispiel die Landarztgarantie, welche von der Frau Landeshauptfrau vor vier Jahren versprochen wurde und den NiederösterreicherInnen garantieren sollte, dass auch in Zukunft alle Landarztpraxen besetzt sind, um die Menschen wohnortnah und kompetent zu versorgen, nicht gewirkt - immer wieder bleiben Stellen unbesetzt.,

„Was wir deshalb dringend benötigen, sind gesundheitspolitische Weichenstellungen, die ein leistungsstarkes, flächendeckendes und öffentliches Gesundheitswesen für die Zukunft garantieren und auf die wachsende Bevölkerungszahl, die kommende Pensionierungswelle und den fehlenden Ausbildungsschub die richtige Antwort geben“, so die Landesrätin.

„Wir alle brauchen die Sicherheit, dass sowohl Vorsorge- und Routineuntersuchungen als auch die Akutversorgung gewährleistet sind! Dazu gehören etwa die Wiedereinführung des Gemeindearztes, die Verbesserung des Facharztangebots durch beispielsweise PVZ, Gruppenpraxen oder Anstellung von Ärztinnen und Ärzten in bestehenden Praxen und ein verändertes Aufnahmeverfahren an den Medizinunis. Es muss verstärkt auch auf die soziale Kompetenz mehr Augenmerk im Verfahren gelegt werden“, sagt die sozialdemokratische Politikerin.


Zwt.: Suchan-Mayr: Gemeinden wird die Verantwortung aufgebürdet

„Viele ÄrztInnen sind an ihrem Limit angekommen. Sie würden gerne neue PatientInnen aufnehmen, können aber nicht, weil es keine Kapazitäten mehr gibt“, weiß die Vorsitzende des sozialdemokratischen GemeindevertreterInnenverbandes im Bezirk Amstetten, Landtagsabgeordnete Bürgermeisterin Kerstin Suchan Mayr aus St. Valentin: „Es zeigt sich, dass die Landarztgarantie der ÖVP wertlos ist.“ In vielen Gemeinden wurden die Planstellen zig-Mal erfolglos ausgeschrieben. Inzwischen seien die Gemeinden diejenigen, die sich nach Kräften dafür einsetzen, dass die hausärztliche Versorgung gesichert ist.

 

Wie in anderen Gemeinden wird auch in St. Valentin werde seit vier Jahren ein/e AllgemeinmedizinerIn gesucht. „Die Zuständigen im Bund, Land NÖ und der österreichischen Gesundheitskassa sind diejenigen, die für Ersatz sorgen sollen, wenn jemand in Pension geht. Es sind aber die BürgermeisterInnen, denen die medizinische Sicherheit ihrer BürgerInnen am Herzen liegt. Weil eine gute medizinische Versorgung zur Lebensqualität dazu gehört. Und eine gute ärztliche Versorgung muss für alle leistbar sein. Ein Ausweichen auf Wahlärzte ist für viele Menschen eine Kostenfrage und im Fall der Gesundheit darf das nicht sein. Die Verantwortung dafür wurde den Gemeinden aufgebürdet.“

 

Aber es seien nicht nur die Gemeinden, sondern vor allem die Verantwortlichen des Landes NÖ gefordert, die vollmundig Garantien aussprächen, erklärt Suchan-Mayr: „Es ist notwendig, über den Tellerrand zu denken: Es war eine jahrelange Forderung der SPÖ in Amstetten, ein Primärversorgungszentrum einzurichten. Ein Zentrum, das wohnortnahe Grundversorgung in einem modernen Umfeld anbietet. Es ist an der Zeit, dass diese Forderung endlich umgesetzt wird!“

 

Rechenbeispiel 1 – Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten:

  • Im Bezirk Amstetten gibt es einen Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit Kassenvertrag. Auf diesen Facharzt mit Kassenvertrag kommen 116.984 BürgerInnen. Hätte dieser alle 365 Tage des Jahres geöffnet, müsste er täglich 320 PatientInnen behandeln. Rechnet man die Samstage, Sonn- und Feiertage weg und geht von Öffnungszeiten von Montag bis Freitag aus, wären das 468 PatientInnen täglich. Das sich das nicht ausgehen kann, ist klar. Die Menschen müssen auf WahlärztInnen oder in andere Bezirke ausweichen. 

Rechenbeispiel 2 – LungenfachärztInnen:

-       Im Bezirk gibt es zwei FachärztInnen für Lungenkrankheiten mit Kassenvertrag. Auf diesen Facharzt mit Kassenvertrag kommen 116.984 BürgerInnen. Hätte dieser alle 365 Tage des Jahres geöffnet, müsste er täglich 160 PatientInnen behandeln. Rechnet man die Samstage, Sonn- und Feiertage weg und geht von Öffnungszeiten von Montag bis Freitag aus, wären das 233 PatientInnen täglich. Alternative: WahlärztInnen oder ausweichen in andere Bezirke. 

 

 

 

EinwohnerInnen des Bezirks Amstetten (Quelle: www.noel.gv.at):

  • Gesamt: 116.984 (58.605 Männer; 58.379 Frauen)
  • Unter 15: 18.533 (9.554 m; 8.979 w)
  • 15 – 60 Jahre: 68.404 (35.121 m; 33.283 w)
  • 60 Jahre und älter: 30.047 (13.930 m; 16.117 w)

ÄrztInnen der wichtigsten Fachrichtungen im Bezirk Amstetten (Quelle: www.arztnoe.at):

  • Allgemeinchirurgie und Viszalchirurgie: 2 mit Kassenvertrag, 8 ohne Kassenvertrag
  • Allgemeinmedizin: 60 mit Kassenvertrag; 25 ohne Kassenvertrag
  • Anästhesiologie und Intensivmedizin; 1 mit Kassenvertrag, 3 ohne Kassenvertrag
  • Augenheilkunde und Optometrie: 4 mit Kassenvertrag; 3 ohne Kassenvertrag
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe: 5 mit Kassenvertrag; 7 ohne Kassenvertrag (+ 1 Vorsorge-ÄrztInnen )
  • Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde: 4 mit Kassenvertrag, 2 ohne Kassenvertrag
  • Haut- und Geschlechtskrankheiten: 1 mit Kassenvertrag; 2 ohne Kassenvertrag
  • Innere Medizin: 5 mit Kassenvertrag; 8 ohne Kassenvertrag (+ 7 Vorsorge-ÄrztInnen)
  • Kinder- und Jugendheilkunde: 8 mit Kassenvertrag; 2 ohne Kassenvertrag
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie: 1 mit Kassenvertrag, 1 ohne Kassenvertrag
  • Lungenkrankheiten: 2 mit Kassenvertrag; 0 ohne Kassenvertrag
  • Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: 0 mit Kassenvertrag, 1 ohne Kassenvertrag
  • Neurologie: 1 mit Kassenvertrag; 3 ohne Kassenvertrag
  • Neurologie und Psychiatrie: 1 mit Kassenvertrag, 4 ohne Kassenvertrag
  • Orthopädie und orthopädische Chirurgie: 5 mit Kassenvertrag, 8 ohne Kassenvertrag
  • Orthopädie und Traumatologie: 0 mit Kassenvertrag, 6 ohne Kassenvertrag
  • Plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie: 0 mit Kassenvertrag, 2 ohne Kassenvertrag
  • Psychiatrie: 1 mit Kassenvertrag, 1 ohne Kassenvertrag
  • Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin: 0 mit Kassenvertrag, 5 ohne Kassenvertrag
  • Radiologie: 7 mit Kassenvertrag; 0 ohne Kassenvertrag
  • Unfallchirurgie: 0 mit Kassenvertrag, 9 ohne Kassenvertrag

Urologie: 4 mit Kassenvertrag; 1 ohne Kassenvertrag

 

Foto: © SPÖ/Werner Jäger